Was ist eine Skoliose?

Die Skoliose ist eine dreidimensionale, s-förmige Wirbelsäulendeformität, die nicht mehr durch Einsatz der Muskulatur korrigiert werden kann. Zudem findet eine Rotation der Wirbel um die Längsachse statt. Typischerweise tritt sie im Wachstumsalter auf. Mädchen sind vier bis sieben Mal häufiger betroffen als Knaben. Unbehandelt verschlechtert sich die Skoliose meist während der Jugendzeit. In den Jugendjahren ist sie oft nicht schmerzhaft. Jedoch können die Wirbelkörper mit zunehmendem Alter vorzeitig abgenutzt werden, was zu erheblichen Beschwerden führen kann.

Ursache der Skoliose

In 90% aller Fälle ist die Ursache der Skoliose unbekannt. Man spricht hier von einer idiopathischen (ungeklärten) Skoliose. Während der Wachstumsphase wachsen die Wirbelkörper in eine Richtung langsamer als in die Andere, was zu einer seitlichen Krümmung der Wirbelsäule führt. Mögliche Auslöser für Skoliosen können erbliche Faktoren, neurologische Faktoren, Bindegewebsveränderungen, verminderte Knochendichte oder Stoffwechselstörungen sein.

Früherkennung ​

Da sich die Mehrzahl der unbehandelten Skoliosen verschlechtert, ist eine Früherkennung umso wichtiger. Der Beginn der Skoliose ist schleichend und verursacht nur selten Schmerzen. Normalerweise entsteht die Skoliose bei Mädchen im Alter zwischen 11 und 13 Jahren und bei Jungen zwischen 12 und 14 Jahren. Oft wird man erst auf eine Skoliose aufmerksam, wenn die Kinder, resp. die Jugendlichen die Hüfte seitlich herausschieben, Abweichungen des Oberkörpers von der Körpermitte aus aufweisen, schiefe Schultern zu beobachten sind oder das eine Schulterblatt deutlich mehr hervorsteht als das Andere. Um eine Voranschreitung auszuschliessen oder frühzeitig zu erkennen, sollten Skoliosen während des Wachstumsalters in festen Abständen von 4 - 6 Monaten ärztlich kontrolliert werden.

Therapie

Je nach Schweregrad der Skoliose kommen hierfür Physiotherapie, Korsettbehandlung oder gar Wirbelsäulenoperationen zum Einsatz. 90% aller Skoliosenfälle können aber konservativ, d.h. mit Physiotherapie und Korsettbehandlung therapiert werden. 

Physiotherapie

Ziele der Physiotherapie sind die Wirbelsäule funktionell zu stabilisieren und eine Verschlechterung der Skoliose zu verhindern. Die Physiotherapie umfasst Übungen für die Beweglichkeit der Wirbelsäule, gezielte Atemgymnastik sowie Haltungsschulung. Verschiedene Dehn-, und Kräftigungsübungen werden dem Patienten, resp. der Patientin vermittelt um das Muskelgleichgewicht wiederherzustellen. Der Physiotherapeut oder die Physiotherapeutin stellt ein persönliches Kräftigungsprogramm zusammen, welches täglich zu Hause absolviert werden sollte um eine Verschlimmerung der Skoliose zu verhindern. Zirka einmal pro Woche findet die Physiotherapie statt.

Was ist ein Korsett?

Ein Korsett, meist Cheneau-Korsett, wird individuell auf den jeweiligen Patienten, resp. auf die jeweilige Patientin angefertigt. Mittels Scanner wird der Patient resp. die Patientin ausgemessen und das Modell mit der CAD (Computer Aided Design)-Technik  weiterverarbeitet. Früher wurden die Körpermasse mit einem Gipsabdruck ermittelt . Die heutige Ausmesstechnik bedeutet weniger Stress für den Patienten, resp. die Patientin und vereinfacht die Produktion deutlich. Ausserdem lässt die neue Technik eine genauere Korrektur der Wirbelsäule zu. Das Röntgenbild kann so ins CAD Programm eingefügt werden, dass typische anatomische Kennzeichen des Röntgenbilds mit jenen des Oberflächenscans übereinstimmen. Anhand Überlappung der Oberflächendetails und des Röntgenbilds können die Korrekturstellen und die gegenüberliegenden Entlastungsstellen genau ermittelt werden. Das Farbmuster des Korsetts kann der Patient resp. die Patientin selbst auswählen.

Die Korsetttherapie

Im Wachstumsalter voranschreitende Skoliosen ab einem Cobb Winkel (Skoliose Winkel) von 20° sollten zusätzlich zur Physiotherapie auch mit einem Cheneau-Korsett versorgt werden. Der Cobb Winkel beschreibt das Ausmaß der Krümmung (von hinten oder vorne gesehen) zwischen den am meisten schiefstehenden Wirbeln (oberer und unterer Endwirbel). Das Korsett dient zur Wachstumslenkung der Wirbelsäule. Ziel einer solchen Behandlung ist eine weitere Verschlechterung bis zum Wachstumsende aufzuhalten, bestehende Krümmungen zu korrigieren und die erreichten Korrekturen zu erhalten. Die Wirbelsäule wird durch drei Druckpunkte des Cheneau-Korsett und Entlastung (Aussparungen im Korsett) auf der gegenüberliegenden Seite in eine möglichst gerade Stellung korrigiert.

 

Die Korsetttherapie muss von ausgebildeten Orthopädietechnikern durchgeführt werden. Nach zirka drei Wochen Tragedauer muss in einer ersten Röntgenkontrolle die Korrekturwirkung des Korsetts überprüft werden. Im weiteren Verlauf der Behandlung finden alle drei Monate Kontrollen abwechslungsweise durch den Orthopädietechniker und dem Arzt statt. Die Kontrollen beim Orthopädietechniker können genutzt werden um Korrekturen (z.B. Verstärkungen der Druckpolster) anzubringen zum Beispiel, wenn das Korsett zu wenig korrigiert. Zudem findet eine radiologische Untersuchung der Patienten, respektive Patientinnen zweimal jährlich ohne das Korsett statt, um den Kurvenverlauf zu beobachten.

 

Die Physiotherapie, welche meistens ein bis zwei Mal pro Woche statt findet, ist ein wichtiger Bestandteil in der Behandlung von Skoliosen. Zusätzlich zur Physiotherapie ist es ratsam, täglich spezifische Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur zu machen.

Tragezeit des Korsetts

Um eine optimale Wirkung der Korsetttherapie zu erzielen, müssen einige wichtige Regeln eingehalten werden. Damit sich der Körper, sowie auch die Haut optimal an das Korsett anpassen kann, empfiehlt sich eine Angewöhnungsphase des Korsetts.

Wichtig ist, dass man sich langsam an das Korsett gewöhnt. Deshalb empfiehlt sich, das Korsett am ersten Tag nur eine Stunde zu tragen und anschliessend die Tragezeit des Korsetts pro Tag um eine Stunde zu erhöhen. Es sollte nach zirka einer Woche auch über Nacht das erste Mal getragen werden (am besten übers Wochenende). Nach spätestens drei Wochen sollte das Korsett 23 Stunden am Tag getragen werden. Es darf während der Körperhygiene und dem Sport ausgezogen werden.

 

Sollten sich während einer dieser Phasen Druckstellen bilden, wenden Sie sich an Ihren Orthopädietechniker. Er kann Ihnen Tipps und Tricks vermitteln. Allenfalls ist ein erneuter Termin für die Anpassung des Korsetts unumgänglich.

 

Nach dem Wachstumsabschluss sollte das Korsett jedoch noch ein Jahr lang getragen werden, damit die Korrektur gewährleistet wird. Bei stetigem und konsequenten Tragen kann die Wirbelsäule im Jugendalter stabilisiert werden, so dass keine Verschlechterung der Skoliose statt findet.

Kosten des Korsetts ​

Die Invalidenversicherung übernimmt die Kosten, wenn das Korsett länger als 1 Jahr getragen werden muss. Für die notwendige Anmeldung bei der IV stellt Ihnen der Orthopädietechniker gerne die Anmeldeformulare zur Verfügung.

Wie ziehe ich das Korsett richtig an? ​

Ein enges, nahtloses T-Shirt (Korsettbody) sollte unter dem Korsett getragen werden. Solche Bodies sind bei Ihrem Orthopädietechniker erhältlich.

Zudem wird empfohlen die Unterhosen und den Büstenhalter unter dem Korsett zu tragen.

Das Korsett sollte im Stehen angezogen und so platziert werden, dass die Korsett-Taille genau in die Taille des Patienten, resp. der Patientin passt. Unbedingt das T-Shirt gut nach unten ziehen und darauf achten, dass keine Stofffalten im Shirt entstehen.

Die Klettverschlüsse sollten erst locker geschlossen werden. Danach die Klettverschlüsse in liegender Position bis zur markierten Stelle schliessen. Falls das Korsett zum Beispiel nach dem Essen zu eng ist, dürfen die Klettverschlüsse ein wenig gelockert werden.

Hautpflege ​

Die Haut unter dem Korsett und ganz besonders an den Druckpunkten muss stets sorgfältig gepflegt werden, so dass Hautverletzungen (Blasen, Kratzer, Druckstellen) verhindert werden können.

Tägliches baden oder duschen ist nötig.

Das Duschmittel immer gut abspülen, denn Seifenrückstände könnten Druckstellen provozieren oder Juckreiz auslösen.

Korrekturdruckstellen mit Derma Prevent (Spezialpflegemittel für sensitive Haut, bei Ihrem Orthopädietechniker erhältlich) behandeln.

Verwenden Sie nur Bodylotion, welche Ph-neutral ist. Die Lotion muss vollständig eingezogen sein, bevor Sie das Korsett anziehen.

Please reload

Broschüre zur Skoliose erstellt von Eleonore

Dieser Erfahrungsbericht wurde von Eleonore erstellt und enthält viele wichtige Tipps. Er soll den Betroffenen sowie den Eltern Mut machen. 

Please reload

KontaKt

Gregory Glauser AG

Hardturmstrasse 253

8005, Zürich

​​Tel: 055 229 14 86

info@orthoglauser.ch

© 2018 by Gregory Glauser

Name *

E-Mail-Adresse *

Betreff

Nachricht